Bedeutende Persönlichkeiten

Persönlichkeiten – Geschichte – Tschechische Seite 

Johann von Lobkowicz und Hassenstein (1450 - 1517)

Bedeutender Adeliger, Diplomat im Dienst des Königs Vladislav II. Jagellonský, der seine Verdienste schätzte und ihn in den Stand eines Freiherrn erhoben hat. 1477 wurde er Mitglied der Abordnung nach Luxemburg und elf Jahre später nahm er auch an der Mission zum Heiligen Stuhl des Papstes Sixtus IV teil. 1493 ist er eine Wallfahrt in das Heilige Land angetreten. Danach schrieb er den Reisebericht „Wallfahrt zum Heiligen Grab“ ("Putování ke Svatému hrobu"), womit er einer der tschechisch schreibender Humanisten wurde. Er widmete sich unternehmerischen Tätigkeiten mit Silber in den Regionen Kadaň (Kaaden) und Kutná hora (Kuttenberg).

Bohuslav von Lobkowicz und Hassenstein (1460 – 1510)

Beamter und Hofmann des Königs Vladislav II. Jagellonský (Sekretär der königlichen Kanzlei in der Prager Burg), bedeutender tschechischer humanistischer Dichter und Prosaiker (er verfasste mehr als 500 Gedichte, 200 Blätter und drei Traktate), Reisender (er unternahm eine Reise nach Palästina, Syrien, Ägypten und Tunesien), er förderte die Wissenschaft und Kunst. Gemeinsam mit seinem Bruder beteiligte er sich an der Silber- und Eisenerzförderung auf den Gutsbesitzen der Familie im Erzgebirge.

Bildhauerfamilie Brokoff

Der Vater und die Söhne Brokoff zählten zu den führenden Repräsentanten der böhmischen  barocken Bildhauerkunst. Jan Brokoff schuf im Erzgebirgsvorland zahlreiche Werke, seine Söhne kamen hier zur Welt.
Jan Brokoff (Johann Brokoff) (1652 - 1718) Der Bildhauer und Schnitzer deutscher Abstammung, geboren in der Slowakei, wirkte vor allem in Böhmen. In den Jahren 1685 – 87 arbeitete er auf dem Gut von Graf Thun in Klášterec nad Ohří (Klösterle an der Eger). Hier schuf er die allegorischen Werke mit dem Motto der Jahreszeiten, Kontinente und der griechischen Sagen. In den Jahren 1687 – 88 wirkte er in den Diensten des Grafen Jan Adam Hrzán im Schloss Červený hrádek bei Jirkov (Rothenhaus bei Görkau). Er schmückte das Schloss mit zwei Brunnen, einem Wasserspeier und einigen Skulpturen. In der Zeit seiner Arbeit in Nordböhmen sind seine Söhne Michal Jan Josef Brokoff (*1686 Klášterec n. O.) und Ferdinand Maxmilián Brokoff (*1688 Červený hrádek), bekannt vor allem als Gestalter von acht Skulpturen auf der Karlsbrücke in Prag, zur Welt gekommen.

Giacomo Girolamo Casanova (1725 – 1798)

Italienischer Schriftsteller, Reisender und Abenteurer. In seiner Autobiographie hat er offen seine Liebesabenteuer beschrieben, in Folge dessen wurde sein Name zum Synonym für einen Verführer. Die letzten Jahre verbrachte Casanova in dem Schloss in Duchcov (Dux) als Bibliothekar, wo er auch beigesetzt wurde. Hiermit zählt er zu den bedeutendsten historischen Persönlichkeiten der hiesigen Geschichte. Zu seiner Ehre findet in Duchcov das Casanova-Fest statt.

Florian Leopold Gassmann (1729 – 1774)

Komponist, Kapellmeister und Orgelspieler von Most. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Region Most, die weltweit berühmt wurde. Er lehrte Antonius Salieri und komponierte in seiner Zeit erfolgreiche Opern. Gassmann setzte sich auch am kaiserlichen Hof in Wien durch, wo er zum Hofkapellmeister der Kaiserin Maria Theresia und des Josef II. wurde. Seit 1997 befindet sich vor dem Stadttheater seine Büste. Eine Straße und die Kunstschule in Most tragen Gassmanns Namen.

Ludwig Moser (1833-1916)

Glasgraveur, Glaser, Unternehmer. Er erlernte seinen Beruf bei dem anerkannten Glasgraveur Andreas Mattoni, einem der Gründer der Tradition der Glasgravur in Karlovy Vary (Karlsbad). 1857 gründete er seine eigene Glasgravur-Werkstatt und ein Geschäft mit Glas, 1873 hatte er schon ein Netzwerk von Handelsvertretungen in London, Paris, New York und in Petersburg. Nach dem Erfolg im Rahmen der Weltausstellung 1875 in Wien wurde ihm der Titel des k. und k. Hoflieferanten verliehen. Auch in den weiteren Jahren erhielt die Produktion seiner Firma eine Reihe bedeutsamer Anerkennungen bei Ausstellungen in Europa und Übersee. Die Firma Moser erweiterte so den Ruhm des niedererzgebirgischen Glaswesens weltweit.

František Josef Gerstner (1756 - 1832)

Bedeutendster Landsmann von Chomutov, Mathematiker, Physiker und Sternforscher, Techniker. Er absolvierte das hiesige Jesuitengymnasium, danach die Prager Universität – Mathematik und Sternkunde. Er ist Autor des Entwurfs zur Errichtung der technischen Universität in Prag (Vorgänger der heutigen ČVUT), die 1806 gegründet wurde und war auch ihr erster Direktor. Gerstner konstruierte die erste Dampfmaschine in Böhmen, erstellte den ersten Entwurf für den Bau der ersten Eisenbahn auf europäischem Kontinent, der Pferdeeisenbahn von Linz bis České Budějovice (Böhmisch Budweis), die 1828 in Betrieb genommen wurde. Für seine Verdienste für die wissenschaftliche Entwicklung des Kaiserreiches wurde er im Jahre 1810 in den Ritterstand erhoben.

Ignaz Petschek (1857 -1934)

Händler, Industrieller und Förderer. In der Zeit seines größten Ruhms kontrollierte er die Hälfte der Braunkohlenindustrie in Europa. 1880 gründete er eine Handelsgesellschaft für den Handel mit Braunkohle und bereits nach einigen Jahren beteiligte er sich mit seinem Kapital an einigen Bergbaugesellschaften in Böhmen und in Deutschland. In der Zeit der Kohlenkrise 1900 kam er mit der Idee aus der Kohle mit minderer Qualität Briketten zu pressen. Er war auch einer der größten Mäzen der Stadt Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe) – er ließ im Krankenhaus ein Pavillon für Kinder erbauen, ein Pavillon in dem Arbeiter-Genesungsheim, ein Erziehungsheim für Jungen, ein Genesungsheim für Tuberkolosen-Kranke und einen Kindergarten.

Johann Schicht (1855 - 1907)

Einer der bedeutendsten Unternehmer in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. In Ústí nad Labem gründete er eine kleine Seifenfabrik, die sich stetig in mehrere Werke entwickelte. Die unternehmerische Tätigkeit von Johann Schicht war außergewöhnlich dank den in seiner Zeit einzigartigen sozialen Errungenschaften für die Arbeitnehmer (Betriebsarzt, Krankenversicherung, Betriebsküche, Kindergarten, Betriebswohnungen, Badehaus mit Wasserbecken). Der deutsche Unternehmer Schicht achtete auch darauf, dass in der Firma die Deutschen und Tschechen gleich behandelt wurden. Für seine Verdienste hinsichtlich der industriellen Entwicklung in der Monarchie wurde er zum kaiserlichen Rat ernannt.

Bohumil Němeček (1938 - 2010)

Olympiasieger und Europameister. Bereits mit siebzehn Jahren hat er begonnen zu Boxen, seine Mühe und Ausdauer brachten einen schnellen Leistungsanstieg, der ihm in den Top-Club der Gruppe Rudá hvězda Ústí nad Labem und in die Repräsentation verholfen hat. Im Rahmen der Olympischen Spiele in Rom 1960 – es war sein erster großer internationaler Auftritt – gewann er seine erste Goldmedaille. Im Rahmen der Europameisterschaften in Moskau 1963 gewann er die Bronzemedaille, 1967 in Rom holte er sich den Titel des Europameisters. Nach 1968 beendete er die aktive Karriere, aber er wirkte weiterhin in der Gruppe RH Ústí nad Labem als Haupttrainer.

 


Persönlichkeiten – Gegenwart – Tschechische Seite

Josef Masopust (*1931)

Er wurde in dem bereits verschwundenen Ort Střimice bei Most geboren. Wir sprechen von dem früheren Fußballer und Trainer, Besitzer der Trophäe Goldener Ball 1962, die dem besten europäischen Fußballer verliehen wird. 2000 wurde er zum tschechischen Fußballer des Jahrhunderts gewählt. Seine Karriere startete kurz nach dem Krieg als Spieler einer Nachwuchsmannschaft in Most. Im Rahmen der Repräsentanz spielte er 63 Wettkämpfe und schoss 10 Tore. Er hatte große Verdienste an dem dritten Platz unserer Fußballmannschaft im Rahmen der Europameisterschaft 1960 in Frankreich und an der silbernen Platzierung im Rahmen der Weltmeisterschaft 1962 in Chile.

Rudolf Čechura (*1931)

Tschechischer Schriftsteller und Drehbuchautor, geboren in Želénky bei Duchcov. Sein weiteres Schicksal ist mit der Stadt Chomutov verbunden. Er studierte an der dortigen Handelsakademie, arbeitete in dem Eisenhüttenwerk als Beamter und als Lehrer in Gemeinden der Region Chomutov. Später war er Redakteur des Tschechoslowakischen Rundfunks und der Zeitschrift Věda a technika mládeži (Wissenschaft und Technik für die Jugend). Er ist Autor von Rundfunkdrehbüchern, bekannt sind vor allem seine Abendmännchen-Sendungen für Kinder (Maxipes Fík, Hugo z hor, Dva ve fraku).

Josef Dvořák (*1942)

Schauspieler, Komiker. Er ist in Kadaň aufgewachsen und beteiligte sich an der Gründung des ursprünglichen Freizeittheaters Kladivadlo. Nach dem Umzug nach Ústí nad Labem und der Professionalisierung wirkte er in diesem Theater in den Jahren 1965 – 1970. Danach wechselte er in das Theater Semafor, später hat er sich vor allem als Fernseh- und Filmschauspieler durchgesetzt, vor allem in Serien und Kinderprogrammen. Mit seiner Stimme sprechen einige heute bereits legendäre Figuren in Abendmännchen-Sendungen. Heute leitet er eine eigene Theatergesellschaft – Divadelní společnost Josefa Dvořáka.

Václav Neckář (*1943)

Sänger, Schauspieler. Er ist in Prag geboren, seine Kindheit verbrachte er aber in Ústí nad Labem. Als junger Schauspieler arbeitete er im Moster Stadttheater. In den Jahren 1968 bis 1970 wirkte er mit den Sängerinnen Marta Kubišová und Helena Vondráčková in der sehr erfolgreichen Sängergruppe Golden Kids. Seit den 70-er Jahren arbeitet er mit der Gruppe Bacily zusammen. Als Schauspieler wurde er dank einer Rolle in dem Film des Regisseurs Jiří Menzel Ostře sledované vlaky berühmt, der mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Der Film Skřivánci na niti (Lerchen am Faden) wurde mit dem Preis Zlatý Medvěd (Goldener Bär) auf dem Filmfestival in Berlin ausgezeichnet. Auch das Musikmärchen Šíleně smutná princezna (Die wahnsinnig traurige Prinzessin) zählt bereits zu den klassischen tschechischen Werken.

Vlastimil Harapes (*1946)

Schauspieler, Tänzer, Regisseur, Tanzmeister, Choreograph, Tanzpädagoge, langjähriges Mitglied und Solotänzer im Ballett des Nationaltheaters in Prag. Er wurde in Chomutov geboren, wo er in der Volkskunstschule seine ersten Ballettschritte machte. Seit 1971 war er Solotänzer im Ballettensemble des Nationaltheaters, wo er später auch als Choreograf und Direktor des Ballettensembles wirkte. Er tanzte auf zahlreichen bedeutsamen Ballettbühnen. Außerdem war er auch ein erfolgreicher Schauspieler (Markéta Lazarová, Panna a netvor, Den pro mou lásku,  Jak vytrhnout velrybě stoličku).

Kabát

Die erfolgreichste derzeitige Rockkapelle, gegründet 1983 in Teplice. In der Zeit ihrer Laufbahn wurden mehr als 1 000 000 Platten-Kopien verkauft. Seit 2003 gewinnt die Gruppe fast regelmäßig den Preis Zlatý slavík (Die Goldene Nachtigall), die Besucherzahlen bei Konzerten übersteigen die Zehntausendzahl.

Das Hockeyteam Nagano 1998

An dem historischen Erfolg des tschechischen Eishockeys hat auch Nordböhmen seine Verdienste. Acht Hockeyspieler des Nationalteams von Nagano sind Zöglinge der Hockeyschule in Litvínov – Josef Beránek, Jan Čaloun, Robert Lang, Robert Reichel, Martin Ručinský, Vladimír Růžička, Petr Svoboda, Jiří Šlégr. Das Team wurde zu diesem Triumph von der Hockeylegende von Litvínov und dem Star der tschechoslowakischen Repräsentationsmannschaft der 70-er Jahre Ivan Hlinka angeführt. Er ist leider 2004 bei einem Autounfall ums Leben gekommen, seinen Namen trägt das örtliche Hockeystadion.

Lukáš Bauer (*1977)

Skilangläufer, mehrfacher Landesmeister, Träger von Olympiamedaillen. Geboren in der Stadt Ostrov nad Ohří, jetzt lebt und trainiert er in Boží Dar. Sieger des Tour de Ski (Saisonen 2007/2008 und 2009/10) und des Weltpokals (2007/08). Im Rahmen der Olympia-Spiele in Torino 2006 und der Weltmeisterschaft in Liberec 2009 gewann er im 15 km-Lauf die Silbermedaille.

Iva Frühlingová (*1982)

Das einstige Modell und Sängerin mit der Herkunft in Litvínov wurde vor allem dank ihren französischen Werken bekannt. Mit 14 fuhr sie nach Paris und arbeitete als Modell, wechselte aber zur Musik, eroberte einige tschechische Anerkennungen für ihre musikalische Arbeit. Iva Frühlingová hat ein Duett mit Pierre Richard aufgenommen, der daraufhin gemeinsam mit Karel Gott ihr Buch Příběhy modelek (Geschichten der Modells) weihte.

Simona Baumrtová (*1991)

Schwimmerin, geboren in Chomutov, wo sie im hiesigen Hallenbad trainierte. Ihre Hauptdisziplin ist Rückenschwimmen, in der sie an der Europameisterschaft in „Kurzen Strecken“ dreimal die Bronzemedaille gewonnen hat. Mehrfache Meisterin der Tschechischen Republik und Rekordmeisterin. Dank ihrer Medaillenplatzierung ist sie wohl die beste tschechische Schwimmerin der Gegenwart. Der bisher letzte Triumph der vielversprechenden Schwimmerin ist der dritte Platz im Rahmen der Weltmeisterschaft 2012 in „Kurzer Strecke“.




Persönlichkeiten – Geschichte – Deutsche Seite

Adam Ries (1492 – 1559)

Rechnermeister, bekannt als „Vater des modernen Rechnens“. Ihm ist es zu verdanken, dass die römischen Zahlen durch die arabischen Zahlen ersetzt wurden. Sein größter Verdienst war es, das Rechnen auch den einfachen Menschen näher zu bringen. Er eröffnete 1522 in Annaberg eine Rechenschule, schrieb Lehrbücher und zwar nicht in Latein, sondern in Deutsch. Zu seinen berühmten Taten zählt das Rechnen am Rechenbrett. Auch mit dem Bergbau kam Ries durch das Rechnen in Kontakt, denn eine Zeit lang überprüfte er als Finanzbeamter die Steuern, die die Erzgruben an den Landesherrn zu zahlen hatten.

Georgius Agricola (1494 – 1555)

Bedeutender Universal-Gelehrter, “Vater der Mineralogie“, gebürtig in Glauchau bei Chemnitz. Er studierte in Leipzig Philologie, Theologie, Philosophie und Medizin, später widmete er sich auch der Alchemie, Pädagogik, Politik, Mineralogie und dem Bergbau. Bei seinem Aufenthalt im Erzgebirge interessierte sich Agricola für die Förderung von Silber- und weiteren Erzen. Sein grundlegendes Werk sind die zwölf Werke zu dem Thema Bergbau, die De re metallica libri XII. Das war die erste systematische technologische Untersuchung des Montanwesens und galt mehr als 200 Jahre als Standardwerk und meistgenutztes Handbuch für die Erzförderung und –verarbeitung in Hütten.

Barbara Uthmann (1514-1575)

„Mutter der erzgebirgischen Spitzenklöppelei“. Sie heiratete den schlesischen Bergherrn Christoph Uthmann, nach dessen Tod sie das Werk Saigerhütte Grünthal weiterführte. Infolge von Intrigen der Konkurrenz scheiterte sie und war gezwungen sich ein anderes Betätigungsfeld zu suchen. Dass sie tatsächlich  Klöppelspitze nach Art des Verlagssystems herstellen ließ, lässt sich historisch nicht belegen, sie hat es aber wesentlich erweitert. In der Zeit, als der Bergbau niedrige Erträge brachte, beschäftigte sie bis 900 Personen.

Paul Fleming (1609-1640)

Arzt und vor allem einer der begabtesten Barockdichter. Er war Sohn des Stadtpastors in dem erzgebirgischen Ort Hartenstein. Den ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater, später besuchte er die Schule in Mittweida. In seinem Werk besang er die Liebe und Entflammung oder im Gegenteil als Patriot umschrieb er melancholisch die Vergänglichkeit und Entbehrung der Deutschen während dem Dreißigjährigen Krieg. Auch die weiteren Werke sind aufgrund seiner Eindrücke von seinen Reisen in den Osten (Russland, Iran) entstanden. 2002 wurde sein Geburtshaus in Hartenstein/ Erzgebirge feierlich eröffnet. 

Gottfried Silbermann (1683 - 1753)

Einer der berühmtesten deutschen Orgelbaumeistern, geboren bei Frauenstein/ Erzgebirge. Sein Werk ist eng mit der Entwicklung der barocken Musik verbunden. Seine Orgeln dekorieren auch heute noch eine Vielzahl von Kirchen Mitteldeutschlands und im Erzgebirge, es gibt noch 32 erhaltene Orgeln, wovon vierzehn im Erzgebirge zu sehen sind. Die große Gottfried-Silbermann-Orgel im Freiberger Dom zählt zu den bedeutendsten Musikinstrumenten weltweit. Alle zwei Jahre findet der Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb statt.

Karl Heinrich Stülpner  (1762 - 1841)

Unternehmer, Wildschütz, Schmuggler und Beschützer der Armen, der heute in zahlreichen Legenden und Geschichten erwähnt wird, in denen er den Unterdrückten half und bei seinen Streifzügen arrogante Försterbeamte bestrafte, er war auf der Seite der Erdrückten. Stülpner kam viel in der Welt herum. Als Wilderer in sächsischen und böhmischen Wäldern fand er viele Sympathisanten unter der Bevölkerung. Er wurde ein Volksheld und als „Robin Hood des Erzgebirges“ bezeichnet.


Robert Schumann (1810 – 1856)

Bedeutender deutscher Komponist und Musikkritiker, geboren in Zwickau als das jüngste von fünf Kindern eines Buchhändlers und Verlegers. Der begabte Musiker wollte Klaviervirtuose werden, eine Fingerzerrung vereitelte aber diese Laufbahn. 1828-1830 begann er schon zu komponieren. 1834 gründete Schumann die Neue Zeitschrift für Musik, bis heute die älteste noch existierende Musikzeitschrift auf der ganzen Welt. Schumann komponierte zumindest 183 Lieder, 4 Sinfonien, viele Instrumentalkonzerte, eine Reihe von Liederzyklen, Kantaten, Oratorien, Chören und hervorragenden Kammerwerken.


Karl Friedrich May (1842 - 1912)

Schriftsteller, der vor allem dank seinen Geschichten über den Indianerhäuptling Vinnetou und seinen Freund Old Shatterhand bekannt wurde. Er ist als fünftes Kind in einer armen Weberfamilie in Ernstthal im Erzgebirge zur Welt gekommen. Als Schriftsteller begann er sich am Ende der 70-er Jahre des 19. Jahrhunderts durchzusetzen, in der Zeit der Jahrhundertwende war er schon berühmt und anerkannt. Seine Popularität stieg heftig in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts, als seine Helden die Bildwand betraten. Am Anfang seiner  literarischen Laufbahn schrieb er Geschichten aus dem Erzgebirgsvorland, er besuchte diese Gegend gern. In den Jahren 1897-98 verweilte er in Brná bei Ústí nad Labem, wo ihm ein Gedenkraum eingerichtet wurde.

August Horch (1868 - 1951)

Automobil-Konstrukteur. Zunächst war er im Motorwagenbau Carl Benz in Mannheim tätig. 1899 machte er sich selbständig und gründete in Köln die eigene Firma Horch & Cie. Motorwagen Werke, die er 1902 nach Sachsen übersiedelte. Ein Jahr später stellte Horch das erste deutsche Auto mit einem Vierzylindermotor vor, 1907 wurde der erste Sechszylindermotor entwickelt. 1909 gründete Horch in Zwickau ein zweites Automobilunternehmen mit dem Namen Audi. Als Erinnerung an die sächsische Audi-Ära können Sie in Zwickau die legendäre Geschichte in einer neugestalteten Ausstellung authentisch erleben.


Anton Günther (1876 – 1937)

Volksdichter und Heimatsänger von Boží Dar (Gottesgab). Als Inspiration dienten ihm die schöne Natur und das schwere Leben in den harten Bedingungen auf dem Erzgebirgskamm. Er schuf mehr als ein hundert Lieder und Gedichte, die nicht nur bei den deutschen Bewohnern des Erzgebirges beliebt wurden. Er spielte sie in Wirtshäusern, Mitgliedern unterschiedlicher Verbände, in Schulen, aber auch gekrönten Köpfen vor. Auch in großen Städten hatte er Auftritte – in Wien, Berlin, Dresden. Im Jahre 1911 gründete Anton Günther eine Stiftung, die zur Unterstützung armer, alter und kranker Menschen in seinem Heimatort diente.


Max Nacke (1883 - 1958)

Mundartdichter und Sänger des Erzgebirges von Altenberg. 1925 gründete Nacke mit seinem jüngeren Bruder Willy Nacke und mit Anton Krämer das Nacke-Trio, später als Erzgebirgslieder-Trio Max Nacke bekannt, welches überregionale Bekanntheit durch Auftritte im Radio, Konzerte und Fernsehproduktionen erlangte. Nach der Zerstörung Altenbergs 1945 spendete Max Nacke eine größere Summe für den Wiederaufbau seiner Heimatstadt. Aus der Feder Max Nackes stammen etwa 40 Lieder, das bekannteste ist "s Bimmelbahnel".

 

 



Persönlichkeiten - Gegenwart - Deutsche Seite

Jens Weissflog (*1964)

Einstiger deutscher Repräsentant im Skispringen. Er wurde in Erlabrunn im Erzgebirge geboren. Seit 1977 besuchte er die Sportschule in Oberwiesenthal und in diesem Sportzentrum ist er auch heute zu Hause. Mit drei Olympia-Siegen, zwei WM-Goldmedaillen und zahlreichen weiteren Preisen ging er als einer der erfolgreichsten Skispringer aller Zeiten in die Geschichte ein. Heute ist er Erzgebirgshotelier in Oberwiesenthal.

Sylke Otto (*1969)

Rennrodlerin. Seit 1983 besuchte sie die Sportschule in Oberwiesenthal. Hier begann auch ihre erfolgreiche Sportkarriere, in der sie 37 Rennen des Weltcups gewann. Viermal wurde sie Siegerin in diesem prestigen Wettkampf, fünfmal wurde sie Europameisterin, sechsmal Weltmeisterin und zweimal Olympia-Siegerin (2002 Salt Lake City, 2006 Torino). Nach ihrem zweiten Olympia-Triumph, dank dem sie die erfolgreichste deutsche Rennrodlerin aller Zeiten wurde, wurde sie zur Ehrenbürgerin von Oberwiesenthal ernannt.

René Sommerfeldt (*1974)

Skilangläufer, Repräsentant des WSC Erzgebirge Oberwiesenthal. 2004 war er Sieger des berühmten Langlaufmarathons in Holmenkollen. Als erster deutscher Skilangläufer in der Geschichte wurde er in der Saison 2003/2004 Weltcup-Sieger. Seit 2010, als er die aktive Karriere beendete, arbeitet er als Nachwuchstrainer im Deutschen Skiverband in Oberwiesenthal.

Viola Bauer (*1976)

Skilangläuferin, geboren in Annaberg-Buchholz. Zögling des WSC Erzgebirge Oberwiesenthal. Die Aufzählung ihrer internationalen Erfolge beginnt bereits 1999, als Sie Mitglied der Bronze-Staffel der WM war. Sie spezialisierte sich auf die Staffel, gerade in dieser Disziplin erreichte sie ihre großen Erfolge – die Silber- und Bronzemedaillen im Rahmen der Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele. Zu den Olympia-Triumphen kam auch die Bronze-Medaille in dem Verfolgungsrennen hinzu. Im Jahre 2009 beendete sie ihre Sportkarriere, heute lebt sie im Land ihres Ehemanns, des griechischen Skilangläufers Lefteris Fafalis.

Torsten Wustlich (*1977)

Rennrodler, Spezialist im Doppelsitzer. Geboren in Annaberg-Buchholz, Mitglied im WSC Erzgebirge Oberwiesenthal. Zu seinen wertvollsten Trophäen zählen die Silbermedaille von den Olympischen Spielen in Torino (2006) und die drei WM-Titel. Er ist Weltcup-Sieger und dreifacher Landesmeister. Mit zehn Jahren hat er mit den Wettkämpfen begonnen, 2010 hat er die aktive Sportkarriere beendet.

Claudia Nystad (*1978)

Skilangläuferin, geboren in Zschopau, bereits im Kindergartenalter stand sie auf Skiern. Sie besuchte die Sportschule in Oberwiesenthal, war ein langjähriges Mitglied des hiesigen Sportvereines und Mitglied der erfolgreichen deutschen Staffel. In der Medaillensammlung von Claudia Nystad befinden sich vier Silber- und eine Gold-Medaille von WM und drei Silber- und zwei Gold-Medaillen von den Olympischen Winterspielen in den Jahren 2006 und 2010. Dank dieser Kollektion ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Skilangläuferinen Deutschlands. 2005 heiratete sie den norwegischen Skilangläufer Trond Nystad. Parallel zu den Sportaktivitäten widmete sie sich auch der bildenden Kunst, Holzkohlen-Zeichnen (seit 1996). Ihre erste Ausstellung fand 2004 statt. 2010 beendete sie ihre Sportkarriere, sie lebt in Oberwiesenthal.

Tatjana Hüfner (*1983)

Rennrodlerin, sie erwarb wertvolle Medaillen – Bronze- (Torino 2006) und Gold- (Vancouver 2010) Olympia-Medaille, eine Bronze- und sechs Gold-WM-Medaillen, davon vier individuelle. Sie ist die erste Frau, die fünfmal hintereinander die Goldmedaille im Weltcup erworben hat (2007 – 2011). Seit Beginn ihrer Karriere an Ende der 90-er Jahre des 20. Jahrhunderts bis 2011 war sie Mitglied im erzgebirgischen Sportverein WSC Erzgebirge Oberwiesenthal.